Spanien-ABC: Antonio Tápies
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Antonio Tápies


Antonio Tàpies




Zentral im Schaffen von Antoni Tàpies ist der Umgang mit Textur und Materie. Doch er verweigert sich der formalen Analyse der ästhetischen Möglichkeiten der Materie. Er konzentriert sich vielmehr auf die Suche nach ihren magischen Eigenschaften und ihrem Verwandlungspotential. Sein Werk ist unter anderem von Raimundus Lullus, dem mittelalterlichen Universalgelehrten, beeinflusst, was sich in der vom Künstler spielerisch in sein Werk übernommene Kombinatorik manifestiert. In Lullus sieht Tàpies neben dem Mystiker auch den Philosophen, Dichter und Wissenschafter. Nicht nur dessen Buchstaben erscheinen als dem Laien unverständliche Zeichen im Werk von Tàpies, sondern auch seine Name Llull taucht in Werken und Titeln auf. Die Zeichen sind jedoch oft nicht deutbar und scheinen nur aus ästhetischen Gründen ins Werk übernommen worden zu sein. Zu seinen charakteristischen Kalligraphien und Schriftzeichen zählen vor allem Kreuze sowie seine Initialen A und T. Die Arbeiten von Tàpies verweisen auf das Selbstverständnis des Künstlers als Schamane und Alchemist, der die Natur der Materialien erkennen, Substanzen verändern und dem Leben Sinn verleihen kann. Viele seiner Werke erinnern an mittelalterliche Votivtafeln, die heilende Effekte haben sollen, wenn man sie nur auf verschiedene Teile des Körpers auflegt.

Der Agnostiker und Skeptiker Tapiès fand über den Surrealismus 1954 zu seiner persönlichen Ausdrucksweise. Für sich lehnt er den Begriff der abstrakten Malerei ab, da er keine Beschränkung für seine Kunst akzeptiert. Das bedeutet jedoch keine Rückkehr zur figurativen Malerei. Die Absenz der Primärfarben in seiner Malerei begründet er mit der von ihm empfundenen Übersättigung mit Farben durch Umgebung und Werbung. Er habe eine regelrechte Allergie dagegen entwickelt. Zudem drückten die Farben, die er gefunden habe und in seinem Werk verwende, am besten die Mystik aus und gingen tiefer.

Tàpis Arbeiten sind voller alltäglicher Elemente, darunter auch Abfall. Insofern steht er jener Künstlergeneration näher, die gegen den Abstrakten Expressionismus revoltierte. Seine ästhetischen Forderungen sind eindeutig mit existentialistischen Strömungen verwandt. Dazu gehört sein Prinzip der Wiederholung, sein ständiges Fragen. Die banalen, alltäglichen Elemente in seiner Kunst wie ein Bett, eine Schachtel oder ein Schreibtisch mit Stroh sind Ausdruck der von Tàpies geschätzten Lehren des Zen-Buddhismus, in denen die Erlösung mit dem Wesenskreislauf verschmilzt. Die Kunst hat für Tàpies rituellen Charakter und muss das Bewusstsein verändern. Deshalb die stete Rezitation einer Reihe von Symbolen, Bildern und Objekten in seinen Werken.
 
Tàpies setzt sich in seinen Arbeiten auch mit der Unmöglichkeit auseinander und hat wiederholt darauf hingewiesen, dass alle Kunst eine Art Spiel sei, eine Falle, die der Betrachter anerkennen und annehmen müsse, damit sie wirke. Auch deshalb versieht er oft Objekte auf der Leinwand mit Kreuzen oder anderen Linienzeichen, wodurch er ihre Wahrhaftigkeit, ihren Objektcharakter aufhebt. Gemäß den Ausstellungsmachern liegt in diesem Element der Ambiguität und des Unmöglichen, das die Malerei von Antoni Tàpies beherrscht, das zentrale Thema, um das die Retrospektive aufgebaut wurde. 

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