Heute beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte Spaniens ... Eine freie und moderne Gesellschaft erfordert Teilnahme aller an Entscheidungen, an den Informationsmedien, an den verschiedenen Bildungseinrichtungen und an der Kontrolle des nationalen Reichtums. Jeden Tag diese Teilnahme sicherer und wirksamer zu machen, soll eine gemeinsame Aufgabe und das Ziel der Regierung werden."
Das waren die ersten Worte, die Juan Carlos vor 30 Jahren, am 22. November 1975, an die spanische Nation richtete, nachdem er zum König von Spanien ausgerufen worden war. Anders als vom Generalissimo Franco, der ihn zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, erwartet, setzte er als Monarch nicht die Diktaturherrschaft fort, sondern führte Spanien auf den Weg der Demokratie. Im Jahr 1978 wurde von der spanischen Bevölkerung eine neue Verfassung angenommen, in der die Staatsform der Parlamentarischen Monarchie festgeschrieben wurde. Hierbei kommen dem König repräsentative Funktionen zu, während die wesentlichen Befugnisse dem Ministerpräsidenten obliegen. Als drei Jahre später von Seiten des Militärs ein Putschversuch gestartet wurde, verteidigte Juan Carlos den Demokratisierungsprozess energisch, indem er als Oberbefehlshaber die spanischen Streitkräfte zurückrief.
Inzwischen hat sich Spanien zu einer der solidesten Demokratien Europas entwickelt. Auch aus wirtschaftlicher Perspektive ist das Land rasant gewachsen. Dazu trugen nicht zuletzt der Beitritt zur Europäischen Union und die Einführung des Euro, die Olympischen Sommerspiele in Barcelona und die Weltausstellung in Sevilla bei.
Der inzwischen 67-jährige Bourbone ist bei seinem Volk sehr beliebt, gilt sogar als Vater der Nation. Und die Spanier sagen: Bei uns gibt es keine Monarchisten, nur Juancarlisten - ein schöneres Kompliment kann man seinem König wohl kaum machen ...
Eine offizielle Festveranstaltung anlässlich des 30-jährigen Thronjubiläums von Juan Carlos wird es allerdings nicht geben, vielmehr feiert man den Tag der Verfassung am 6. Dezember.
Anne Griep
21.11.2005
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