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Pilota Valenciana (valenzianischer Ballsport)


Die valenzianische Art, Ball zu spielen



Pilota Valenciana ist das älteste und bekannteste Spiel Valencias. Seine Geschichte reicht bis weit in die Vergangenheit, denn neben Mayas und Azteken soll auch Alexander der Große ein Meister dieses Sportes gewesen sein. Heute ist das Spiel mit dem kleinen, harten Ball im Ausland wenig bekannt. Doch in Valencia erfreut es sich großer Popularität. Stets sind die Ränge der Trinquets (so heißen die Spielfelder) prall gefüllt. Es wird gelacht, gerufen und gewettet. Die Zuschauer setzen zum Teil hohe Beträge auf den Sieg eines Teams, vor allem wenn Stars mit von der Partie sind, denn das Glücksspiel gehört schon seit eh und je zu den vielen kleinen Traditionen dieses Sports

Gespielt wird mit zwei Mannschaften, die aus einem, zwei, drei oder (mit Ersatzmann) vier Spielern bestehen. Die Teams verteidigen entweder alle ein Feld (wie beim Squash) oder stehen sich (wie beim Tennis) auf zwei Spielfelder gegenüber. Als Trinquets dienen Straßen, die meistens den Namen Carrer de Pilota tragen, oder offene und geschlossene Hallen. Diese sind immer sehr lang (bis zu 80 m) und schmal. Das Spielfeld ist durch drei Wände und eine lange Treppe oder auch vier Wände begrenzt. Die Vielfalt der Varianten ist riesig. Sie reicht von den Berühmtesten, dem Raspall (raspar - schaben) oder Escala i Corda (Treppe und Seil), bis zu Abwandlungen, die nur in einzelnen Dörfern praktiziert werden.

Rasball ist die härteste Version. Hierbei werden die Bälle mit der bloßen Hand so dicht über dem Boden geschlagen, dass die Finger ständig darauf entlang schaben. In waghalsigen Aktionen werden längst verloren geglaubt Bälle noch gerettet. Die Spieler fliegen in halsbrecherischen Bewegungen über das Spielfeld, springen, hechten und prügeln den Ball mit einer gewissen Eleganz und Wucht gegen die Wand. Ziel aller Spielvarianten ist es, den Ball nach nur einer Bodenberührung für den Gegner unspielbar gegen die Wand oder über das Seil zu schlagen.

Früher führte das zu schmerzenden Verletzungen. Die Schläge auf die damals hölzernen Bälle trieb das Blut in die Hände und die Fingerkuppen wurden am Boden aufgeschlagen. Mancher Spieler soll sich mit einer Rasierklinge den Handrücken aufgeschnitten haben, um das Blut abfließen zu lassen. Ohne Schutz würden die Hände der jungen Spieler bald so aussehen, wie die der Alten: verkrüppelt und kaputt. Doch heute gehören Pflaster, Handschuhe sowie Fingerhüte aus festem Schweinsleder zur Grundausstattung jedes Raspall-Spielers. Jeder schneidet fein säuberlich unzählige Leukoplaststreifen zurecht. Dann wickelt er konzentriert und mit großem Geschick jeden Finger und die Hände ein. Die Handschuhe bestehen ebenfalls aus Schweinsleder. Sie bedecken allerdings nur die Handflächen.

Der Ball ist heutzutage aus acht dreieckigen Lederstücken zusammengesetzt. Er ist mit Wollstaub gefüllt und wiegt 45 bis 70 Gramm. Wie er jedoch genau hergestellt wird, ist ein streng gehütetes Geheimnis, das nur durch Vererbung weitergegeben wird.

Gezählt wird wie beim Tennis: 15, 30, 40 und Spiel - natürlich auf Valenzianisch: quinze, trenta, quarenta i vale. Besonders berühmt ist, wer mit außerordentlicher Wucht und Präzision den Ball aufschlagen kann. Es gewinnt der, der den Gegner immer wieder zu Fehlern zwingt. Denn berührt ein Spieler den Ball mit einem anderen Körperteil als der Hand oder schlägt der Ball mehr als einmal auf den Boden auf, führt dies unweigerlich zu einem Punkt für das gegnerische Team. Ein Schritt mehr in Richtung Sieg.

 

Katja Nagelschmidt

Informationen zum Thema Ballsport in Spanien





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