13. Jahrhundert

    Die Gotik setzt sich durch

    Das 13. Jahrhundert ist in den christlichen Gebieten der lberischen Halbinsel ein Zeitabschnitt politischer Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwungs. Während der erfolgreichen Regierungszeit von Jaime I. entfaltet die Krone von Aragonien ihre territoriale und kommerzielle Ausdehnung.
    Nachdem Kastilien endgültig im Jahr 1230 an Leo’n angeschlossen ist, erreicht es bei der Wiedereroberung der unter maurischer Herrschaft stehenden Gebiete bedeutende Fortschritte, als Ferdinand III. die strategisch wichtigen Festungen Sevilla und Cordoba einnimmt.
    Mit der Wirtschaft ging es bergauf. Es bildete sich eine Bürgerschicht heraus. Die Städte übten einen größeren Eifluss als zuvor. Monarchie und Kirche wollten Bauten errichten lassen, die ihre Macht in der Gesellschaft repräsentieren sollten. Vorbild für die Kirchen waren jene gotischen Kathedralen, die seit dem beginnenden 13. Jahrhundert in Frankreich Bewunderung hervorriefen.
    Die Dächer stützen sich auf die natürliche Verlängerud der Rippen des Kreuzgewölbes. Die Mauern verloren ihre abstützende Funktion und wurden mit Öffnungen für Glasfenster ausgestattet. Durch die Fenster fällt gedämpftes Licht ins Innere der Kirchen. Durch seitlich angebrachte Strebepfeiler wird der seitliche Druck aufgefangen.

    Religiöse Baukunst im Königreich Kastilien

    Das 13. Jahrhundert bringt dem Königreich Kastilien ausserordentlichen Wohlstand. Der Reichtum konzentriert sich in den Händen der Monarchie, des Adels und der hohen Geistlichkeit. Die Macht Kastiliens sollte sich in seinen Bauten widerspiegeln. Also wurden in Cuenca, Burgos, Toledo, Leo’n und anderen Orten zahlreiche herrliche Kathedralen im Rahmen einer einzigartigen baulichen Anstrengung errichtet.
    Diese Aktivität schränkte aber die Unterstützung nicht ein, die während dieses Jahrhunderts dem Bau anderer Kirchen und Klöster weiterhin zuteil wurde. In Burgos gründete Alfons VIII. auf Betreiben seiner Gemahlin Leonor von England für Frauen aus dem Adel und den königlichen Geschlechtern das mächtige Kloster Las Huelgas. Ihm Wurden die übrigen Frauenkloster im Königreich unterstellt. Prinzessinnen oder Mitglieder der Königshäuser waren seine äbtissinnen. Von dem ältesten Bau ist ein kleiner Kreuzgang mit romanischen Halbbögen erhalten.
    Der Rest des Baus entstand im 13. Jahrhundert: die Kirche, deren Chorhaupt an einer Linie angeordnete Kapellen aufweist, der Kreuzgang des heiligen Ferdinands und der interessante Kapitelsaal sowie verschiedene reich geschmückte Kapellen im Mudejarstil. Ende des 13. Jahrhunderts wurde in der gleichen Stadt die Kirche San Gil mit ihrer strengen Fassade errichtet. Das Innere wurde im 15. Jahrhundert teilweise umgebaut, und es wurden sehenswerte Kapellen hinzugefügt. In der Provinz Burgos wurde auch die Kirche von Sasamon errichtet. Sie hat die Dimensionen einer Kathedrale, die Sterngewölbe über einigen Kapellen wurden später angefertigt. Der anstossende Kreuzgang mit Spitzbogengalerie ist unverändert erhalten.
    In der Stadt Palencia sei die Kirche San Miguel hervorgehoben. Ihr hoher zinnengeschmückter Turm über der Eingangszone hatte trotz seiner schönen verschnörkelten Fenster wahrscheinlich eine Verteidigungsfunktion.
    In der Provinz Palencia ist von dem ehemaligen Tempelritterkloster in Villalcazar de Sirga die Kirche unter dem Namen Santa Maria la Blanca erhalten. Sie hat ein Chorhaupt mit in einer Reihe ausgerichteten Kapellen und ein Portal mit reichem Bildhauerschmuck.
    Weitere Kloster in Kastilien sind:

    • das Kloster La Espina (Prov. Valladolid)
    • das Kloster Santa Maria in Alococer (Prov. Guadalajara)
    • das Kloster Santo Toribio de Lie’bana (Prov. Santander).

    Wahrscheinlich verzögerte der Glanz der muslimischen Architektur die Errichtung grosser christlicher Kirchen in den andalusischen Städten. Die in dieser Epoche durchgeführten Bauarbeiten sind eher bescheiden. Als Vorbild dienen ihnen die Zisterzienserabteien in der Provinz Burgos. Als Beispiele für diese einfacheren Bauten sind die Kirchen Santa Ana und San Gil in Sevilla und San Miguel in Cordoba zu nennen.


    Religiöse Baukunst in den Reichen Aragonien und Navarra

    Die christlichen Königreiche Aragonien und Navarra übernahmen für die im 13. Jahrhundert errichteten Bauten ebenfalls den gotischen Stil. Allerdings zeigt sich an ihnen noch nicht die hohe Entwicklungsstufe der gotische Baukunst in Kastilien.
    Die Anstrengungen des aragonischen Königreiches konzentrierten sich auf seine territoriale und kommerzielle Expansion. Gegen Ende des Jahrhunderts war seine Wirtschaft gefestigt.
    Die Bauten sind verhältnismässig einfach sind. Die meisten behalten den typologischen Einfluss des Zisterzienserordens bei, wie er sich an den Kathedralen von Le’rida (auf dem Bild links) und Tarragona beobachten lösst. Ferner wurden die Kathedrale von Tarazona in der Provinz Zaragoza, die zerstört und um die Mitte des 14. Jahrhunderts wiederaufgebaut wurde, und die Kathedrale von Valencia errichtet, deren Bau sich Lange Zeit hinzog.
    Der Klosterbau wird in grösserem Umfang fortgesetzt. Bereits existierende Kloster werden erweitert, neue werden gegründet. Von diesen sei das Zisterziensernonnenkloster in Vallbona de las Monias in Le’rida hervorgehoben, dessen Kirche eine Nachahmung von Santas Creux in kleinerem Massstab ist. Die Anlage wurde im 14. Jahrhundert umgebaut und um den interessanten Kreuzgang bereichert. In der Provinz Zaragoza waren die Klöster von Piedra und Rueda del Ebro die einzigen Beispiele einer stilreinen Gotik, die sich dem in der Zone vorherrschenden Einfluss der Mudejar-Kunst entzogen. Vom erstgenannten Bau sind nur wenige Steine übrig. Das zweite wurde kürzlich restauriert. Erhalten sind die Kirche, der Kreuzgang und Teile einiger Räume. Aufgrund der französischen Abstammung seiner Könige pflegte Navarra hauptsächlich Beziehungen zum Nachbarland. Es nahm an der von Kastilien und Aragonien vorangetriebenen Reconquista kaum teil und zog aus ihr auch kaum Nutzen. Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Bau der bedeutenden Kathedrale von Pamplona in Angriff genommen. Bis dahin wurden vorher begonnene Bauten wie die Kathedrale von Tudela und das Kloster von Fitero vollendet. Auch der Bau des Klosters Iranzu wurde entscheidend gefördert. Seine Bauweise zeigt den direkten Einfluss der französischen Zisterzienserabteien. Ein merkwürdiger Bau aus den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts ist die kleine Kirche der Pilgerherberge von Roncesvalles, deren auffällige Fremdartigkeit auf einen französischen Meister schliessen lässt.

    Zivilbauten – Verteidigungsbauten – Klosterfestungen

    Aus dieser Zeit sind kaum überreste von Zivilbauten erhalten. Eine Ausnahme stellt der herrliche Palast von Erzbischof Gelmirez in Santiago de Compostela dar, von dem zwei Stockwerke und der Turm erhalten sind. Das Innere, das die tiefe Verwurzelung der galicischen Bauten in der Romanik zeigt, ist üppig dekoriert, insbesondere der Festsaal.
    Die Verteidigungsbauten mehrten sich weiterhin, da auf spanischem Boden häufig bedeutende Kämpfe fortgesetzt wurden. Nach dem Vorbild der Wehrmauern von Avila wurden die Verteidigungsanlagen von Plasencia in der Provinz Caceres und Almazehn in der Provinz Soria erbaut. Der kriegerische Orden der Calatrava-Ritter errichtete Klosterfestungen, von denen noch heute die eindrucksvollen Ruinen der Festung von Zorita de los Canes in der Provinz Guadalajara und der Burg von Catalatrava la Nueva in der Provinz Ciudad Real zeugen.
    Ein weiteres nennenswertes Beispiel für Verteidigungsbauten dieser Art aus dem 13. Jahrhundert ist die Burg von Lorca in der Provinz Murcia, die zwei Türme in ihrem Mauergürtel aufweist. Einer ist gotisch, der andere von Morisken gebaut.

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    Author: Spanien-ABC

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