15. Jahrhundert: Verfall der Gotik

    Bis zur Vereinigung der Kronen von Kastilien und Aragonien vertiefte die Entwicklung der Gotik in beiden Reichen die stilistischen Verschiedenheiten. Während in Katalonien die architektonische Linie der Einfachheit und räumlichen Einheit fortgeführt wird, nimmt in Kastilien der Hang zum Ornament im Einklang mit der Version der internationalen Gotik zu.

    Religiöse und zivile Baukunst in Kastilien

    Die in Europa herrschende Neigung zum Prunk breitete sich auch am kastilischen Hof aus. Von dieser Tendenz angelockt, kommen flämische, deutsche und französische Kunsthandwerker ins Königreich. Sie bringen eine neue, durch üppige Dekoration gekennzeichnete Kunst mit: die Spätgotik.
    Hanequin von Brüssel führt die Spätgotik in die Kathedrale von Toledo ein, wo er die Kapelle des Don Alvaro de Luna ausschmückt. In Burgos ist es Johannes von Köln. Ihm sind die verschnörkelten Turmspitzen, die sogenannten Flechas Caladas, zu verdanken. Sie finden sich auch an den Kathedralen von Astorga in der Provinz Lepn und in Oviedo.
    Der Widerhall dieses Stils ist nicht nur bei den Kathedralen festzustellen, sondern auch bei anderen religiösen Bauten, von denen sich mehrere in der Provinz Burgos konzentrieren: die Kirche Santa Maria del Campo mit sternförmigen Gewölben an einem Teil der Bedachung und den Resten des Kreuzgangs, der spätgotisches Masswerk aufweist. Das Kloster von Fresdelval, dessen Kreuzgangreiner der bemerkenswertesten der Epoche ist. Und die im 14. Jahrhundert begonnene Stiftskirche von Covarrubias, deren Dach in der Hauptsache aus Kreuzgewölben besteht und deren Kreuzgang komplizierte Sterngewölbe hat.
    Der Einfluss der internationalen Gotik wird auch an einem groъen Bauwerk dieses Jahrhunderts deutlich, der Kathedrale von Sevilla. Ihre riesigen Ausmasse lassen auf den wirtschaftlichen Wohlstand der Stadt schliessen. Hier werden Veränderungen am Chorhaupt vorgenommen, um in dieses das Retabel zu stellen. Dadurch wurde für spätere Kirchenbauten ein Präzedenzfall geschaffen. Durch die Kathedrale von Sevilla beeinflusste weitere Kirchen: die Santa Maria in Carmona in der Provinz Sevilla mit rechteckigem Chorhaupt und komplizierten Kreuzgewölben, und die Kirche San Miguel in Jerez de la Frontera in der Provinz CАdiz mit ähnlichen Merkmalen.
    Außer einigen Adelshäusern haben viele im damaligen Kastilien errichtete Bauten Verteidigungscharakter. Es sind Wehrbauten, die sich bereits als Paläste darstellen. Beispiele für diese Bauten findet man an zahlreichen Orten: in der Provinz Toledo sind es die Burg von Guadamur, deren Umfang vollständig erhalten ist, die Burg von Escalona, ein von Befestigungen umgebener Palast, und die beiden Burgen von Maqueda. In der Provinz Madrid ist die harmonisch wirkende Burg von Manzanares el Real zu nennen.
    In der Provinz Segovia entsprechen ihm die aus Ziegelsteinen erbaute Burg von Coca mit sehr origineller Form und die Burg von Cuellar, eine traditionellere Anlage mit quadratischem Grundriss und Waffenhof im Inneren. Gemäss der beschriebenen Entwicklung wird in Navarra, das mit Ausnahme eines kurzen Intervalls seine Unabhängigkeit bis 1512 beibehielt, der Burgpalast von Olite errichtet.


    Religiöse und zivile Baukunst in Aragonien

    Im Königreich Aragonien nahm die katalanische Architektur die herrschende Mode der schmückenden Ornamente kaum zur Kenntnis und behielt die für sie charakteristische Schmucklosigkeit bei. Die Tendenz zu einheitlichen Räumen beeinflusste die Bauentscheidungen der Kathedrale von Gerona. Anfänglich waren drei Schiffe geplant, gebaut wurde am Ende jedoch nur eines. Die imposanten Ausmasse des Kirchenschiffs waren eine Herausforderung für die Konstrukteure und führten dazu, dass die Bauarbeiten bis ins 16. Jahrhundert fortdauerten. Aber die neuartige Lösung und der originelle entstandene Raum machen sie zu einem Hauptwerk der katalanischen Architektur. Weitere wichtige Unternehmungen waren die Vollendung der Kathedralen von Barcelona und Palma de Mallorca. Diese hingegen wurden den ursprЭnglichen Plänen entsprechend errichtet.
    Dass die Erstellung von Zivilbauten in grossem Umfang fortgesetzt wurde, ist ein Beweis für den Aufschwung der Städe in Aragonien. In Barcelona liessen die Cortes den Palau de la Generalitat erbauen. Aus jener Zeit stammt die nächterne Fassade, die mit dem Medaillon des heiligen Georg geschmäckt ist. Erhalten sind auch der italienisch beeinflusste Innenhof und die Kapelle San Jorge mit ihrer in der Zone ungewohnten spätgotischen Dekorationsfälle.
    Die Krankenhauspflege wurde organisiert, und Krankenpflegezentren wurden in grossen Neubauten eingerichtet. In Barcelona wurde das Hospital de Santa Cruz erbaut, das um einen grossen Innenhof herum angelegt ist. Heute ist hier die Bibliothek von Katalonien untergebracht. Nebengebäude sind später hinzugetreten. Eine ähnliche Struktur hat das Hospital de Santa Maria, das in Lerida gegründet wurde und heute als Archäologisches Stadtmuseum dient. Bauten aus dem gleichen Jahrhundert sind die Börse (Lonja) in Palma de Mallorca mit schmückenden gewundenen Säulen im Inneren und die Börse von Valencia. Obwohl letztere bereits während der Regierungszeit der Katholischen Könige erstellt wurde, behielt sie die in Katalonien vorherrschenden Stilmerkmale bei.

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    Author: Spanien-ABC

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