Gotische Kathedralen in Andalusien

    In Andalusien drang die Gotik spät ein

    In Andalusien drang die Gotik ziemlich spät und nicht in ihrer ursprünglichen Reinheit ein. Die abendländische Bauweise nahm erst zur Zeit der katholischen Könige einen festen Platz ein und war als offizielle Kunst von politischen Absichten getragen. Andalusien war stark vom Islam geprägt und besaß kostvolle Bauwerke aus dieser Zeit, welche das Mittelalter dank der Bewunderung seitens der Kastilischen Könige überlebt hatten.

    Kathedralen werden auf Moscheen gesetzt

    Die katholische Königin und die kirchliche Obrigkeit hatte der Ehrgeiz gepackt. Sie wollten mit der maurischen Bauart wetteifern und Kathedralen errichten, die die Macht der Christenheit symbolisieren sollten. Diese Kathedralen sollten alles, was nicht abendländisch war, übertrumpfen. Diese Anliegen stießen allerdings mehrfach auf den Widerstand der städtischen Behörden.
    Wären die Pläne der Kirche in die Tat umgesetzt worden, hätte die Moschee von Cordoba niedergerissen werden müssen, um dem Domkapital zu weichen. Doch der Widerstand des Stadtrates und die salomonische Entscheidung Karls V. konnten das verhindern. So wurde der obligatorische Einschub der christlichen Kathedrale in das maurische Bauwerk veranlasst.
    In allen Städten Spaniens wurde an der Tradition festgehalten, die Kathedrale über der ehemaligen Hauptmoschee zu errichten. Dies geschah vor allem in Andalusien, wo der grösste Teil der Bevölkerung arabischen Ursprungs war.

    Kathedralen der Gotik

    Sogar als sich die Renaissance später ihren Weg bahnte, griffen die Bauherren der andalusischen Kathedralen auf die konventionellen Normen der Gotik zurück und entwickelten einen unverwechselbaren Baustil.
    Die andalusischen Kathedralen wurden während der Regierungszeit der Katholischen Könige und Kaiser Karls V. errichtet. In ihnen findet die isabellinische Gotik ihren Ausdruck, die dem Platereskenstil manchmal sehr nahe kommt.

    Die Kathedrale von Sevilla

    Die Kathedrale von Sevilla befand sich in der ehemaligen Moschee der Almohaden-Dynastie. Als das 15. Jahrhundert anbrach, wies sie nur wenige abendländische Zusätze auf. Man verwandelte sie in eine christliche Kathedrale, indem man eine königliche Kapelle als Chorhaupt in den Moscheenbereich setzte.
    Die Bauarbeiten begannen 1403. Sevilla sollte eine prunkvolle Kirche erhalten, die sich auf dem Bauplatz der Moschee erheben sollte. Lediglich der Innenhof und das Minarett blieben als Zeugnisse des Morgenlandes erhalten. Die neue Kathedrale wurde 1507 eingeweiht. 
    Das mächtige Bauwerk besteht aus fünf Kirchenschiffen und einem Querschiff. Entgegen der gotischen Tradition hat es ein flaches Chorhaupt. Die Bemühungen der Bauherren, die Kathedrale von Sevilla zu einem der bedeutendsten Bauwerke der Christenheit zu machen, kosteten enorme Anstrengungen.
    Als 1496 ihr Einweihungsdatum immer näher rückte, stürzte ein Teil des von Simon de Colonia errichteten Querschiffs ein und musste von Juan Gil de Hontaon erneuert werden. Das einschliesslich des Ziboriums 40 Meter hohe Werk blieb bis Ende des vorigen Jahrhunderts erhalten.


    Sevilla als Vorbild für andere Kathedralen

    Aufgrund ihrer architektonischen Einzigartigkeit im christlichen Spanien wurde die Kathedrale von Sevilla zum Modell für die Kathedralen, die im 16. Jahrhundert entstanden.
    Das flache Chorhaupt, eignete sich hervorragend zur Aufnahme monumentaler Altaraufsätze und wurde bei der Errichtung der Kathedralen von Jaén und Valladolid nachgeahmt. Die atemberaubende Höhe erreicht in dieser Kathedrale einen unübertroffenen Wert, ohne dass es sich um eine Neuerung gehandelt hätte.
    Von den Schätzen dieser Kirche seien vor allem die Schnitzereien, die Gemälde und die Goldschmiedearbeiten erwähnt. Das Retabel des Hochaltars gilt als Meisterstück seiner Art.

    Die Kathedrale von Córdoba

    Die Kathedrale von Córdoba ist ein einmaliges christliches Bauwerk. Auch hier wurde die Hauptkirche der Stadt in der alten Moschee eingerichtet. An den Seitenwänden wurden nach und nach Kapellen angesetzt.
    Anfang des 16. Jahrhunderts beauftragte das Domkapitel Hernan Ruiz den älteren mit der Errichtung eines gotischen Schiffs im Mittelpunkt des maurischen Bauwerks. Dabei sollte die zerbrechliche Struktur der alten Moschee so wenig wie möglich beschädigt werden. Das Ergebnis ist sogar für die kritischen unter den Kunsthistorikern interessant. Zwei verschiedene Raumeinheiten wurden gegenübergestellt, da eine Stilverschmelzung völlig undenkbar war.
     Viele Teile der Kathedrale von Cordoba wurden vorher im Renaissance- und Barockstil ausgeschmückt. Der gotische Bauteil entstand erst spät.
    Die Königliche Kapelle stammt zum Teil aus dem Jahr 1505. Sie wurde später in die Kathedrale eingeschlossen. Das alte Portal wurde an eine Querschiffarm verlegt. In der Bedachung wurden einige stilisierte Rippengewölbe aufgenommen, die eher eine Anspielung auf die Gotik als eine tatsächliche Anwendung dieses Stils bedeuten.

    Weitere Kathedralen in Andalusien

    Die Kathedrale von Almeria wirkt von Aussen wie eine Festung. Sie ist ein übergangsbau von der Renaissance. Baubeginn war 1524.
    Von der Kathedrale von Baeza sind vor allem die Sterngewölbe des Querschiffes, der Altarraum und das Portal Puerta del Perdón im isabellinschen- gotischen Stil hervorzuheben.
    Dagegen steht die Kathedrale von Guadix dem Renaissancestil näher als der Gotik. Erwähnt seien hier die Rippengewölbe, die sich von den mittelalterlichen Modellen bereits entfernt haben.

    Informationen zum Thema gotische Kathedralen in Spanien

    Architektur in Spanien: ‚Von der Antike zur Neuzeit

    Kunst und Kultur in Spanien

    Spanien-ABC
    Author: Spanien-ABC

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