August Wilhelm Tauer

    August Wilhelm Tauer könnte auch als Geschichtenerzähler reich und berühmt werden, denn was der Maler aus seinem abwechslungsreichen Leben erzählen kann, würde mehrere Bücher füllen.
    Seit nun mehr zwei Jahren lebt Tauer mit seiner Frau Eva-Maria und fünf Hunden in einer alten Finca in der Nähe Denias. Diesen Platz hat er unter anderem wegen der Ruhe und Friedlichkeit gewählt.
    In dem Gespräch für das Portrait des Monats plaudert der Maler aber noch einmal aus dem Nähkästchen und eröffnet auf diesem Wege den Lesern Einblick in sein interessantes Leben.

    1933 geboren und nach dem frühen Tod seines Vaters im Krieg in einer reinen Frauenfamilie aufgewachsen, findet der junge Tauer in dem Ortspfarrer so etwas wie einen Vaterersatz. Dieser ist ein begeisterter Hobbymaler und erkennt früh das malerische Talent des Jungen. Der Pfarrer nimmt ihn unter seine Fittiche und fördert dieses Talent. Nach der Schulzeit auf einer Klosterschule in Augsburg soll August Wilhelm Tauer aus Kostengründen ebenfalls eine Pfarrausbildung beginnen, da diese in Bayern die einzige kostenfreie Ausbildung ist. Nach kurzer Zeit bricht er diese jedoch ab. Ebenso wie die spätere Ausbildung zum Schuhmacher kommen beide nicht der wahren Berufung des jungen Tauer entgegen. Also widmet sich August Wilhelm Tauer schließlich, mit kleinen Unterbrechungen, voll und ganz der Malerei.

    Er bezeichnet sich selbst als reinen Autodidakten; zwar besucht er auch einmal die Folkwang-Kunstschule in Duisburg, aber hier lernt der Künstler nach eigenen Worten nichts neues und verlässt die Schule nach eineinhalb Jahren.
    Nun bin ich seit 50 Jahren Leinwandmaler, sagt Tauer und man sieht seinen Bildern die Erfahrung und das Können an, welches aus den vielen Jahren der Beschäftigung mit dieser Kunst resultiert.

    Er nennt seinen Stil phantastischen Realismus, und in der Tat mischen sich in seinen Bildern surrealistische, traumähnliche Elemente mit rein realistischen Motiven. Die Ähnlichkeit zu Salvador Dalís Bildern leugnet Tauer nicht, vielmehr nennt er den bekanntesten spanischen Maler sein Vorbild. Er weist aber gleichzeitig darauf hin, nie den Versuch des Kopierens von Dalís Bildern unternommen zu haben, da jeder Maler im Laufe seines Lebens an der Perfektionierung seines eigenen Stils arbeite.

    Mein größter Kritiker bin ich selbst, sagt Tauer und schildert, wie einige seiner Bilder doch den Weg in den Müll finden, weil er selbst einfach unzufrieden damit ist, während zum Beispiel seine Frau ganz anders darüber denkt. Andererseits gibt es bei dem Maler Tauer sogenannte Schlepper-Bilder: Der Maler beginnt mit einer Leinwand, kommt aber irgendwann nicht weiter, es fehlt die entscheidende Idee. Dann werden diese halbfertigen Bilder in das Atelier gestellt, und, manchmal nach Jahren, ist die fehlende Eingebung da und das Bild wird beendet.

    Seine sehr durch die Kirche geprägte Kindheit, viel mehr aber noch seine Abneigung gegen den Klerus läßt sich in Tauers Bildern in vielen kritischen und provokanten Auseinandersetzungen mit diesem Themenkomplex wiederfinden. Immer wieder gibt es kleine oder aber auch sehr deutliche Hinweise auf die Kirche, der Maler setzt sich jedoch ebenfalls mit anderen Themen der Gesellschaft auseinander.

    Es muss im Kopf sein, so Tauer, und entwickelt zu jedem Bild, zu jedem einzelnen Motiv auf seinen Bildern eine bestimmte Vorstellung. Er malt zumeist mit konkreten Intentionen, jedoch, betrachtet man seine vielschichtigen Werke, erstaunlicherweise ohne Vorzeichnung. Der Künstler will mit seinen Bildern nicht nur provozieren, sondern jeden Betrachter auch zum Nachdenken anregen und eigene Ideen zu den Bildern entwickeln lassen. Mit den Titeln der Bilder weist Tauer zwar in eine bestimmte Richtung, aber wenn ihm Käufer oder Interessenten seiner Bilder von ihren Vorstellungen zu den Motiven berichten, weichen diese dann häufig sehr stark von seinen ursprünglichen Intentionen ab.

    Eine weitere Variante in Tauers Malweise sind die sogenannten Objektabstraktionen, in denen er mit Formen und Farben spielt. Anlehnungen an den Kubismus sind erkennbar, aber auch hier dominieren die Dalí-Inspirationen. Diesen Bildern gehen ebenfalls gewisse Intentionen des Künstlers voraus, auch wenn die Bilder für Tauer eher eine Stilübung als die favorisierte Art des Malens darstellen.

    Interessanterweise hat sich Tauer, wie fast jeder Künstler, sein Geld zeitweilig mit gefälliger, dekorativer Kunst verdienen müssen. In den 50er Jahren konnte er seine Familie nicht allein mit seiner kritischen Kunst ernähren und malte deshalb solche schönen Motive wie Wald- und Seelandschaften, Kornfelder und sogenannte Italienbilder mit einer Landschaft und viel Himmel.

    Der Maler erzählt, wie er teilweise von diesen sehr langen, schmalen Italienbildern drei übereinander gehängt und dann die drei gleichzeitig gemalt habe, mit einem langen Pinselschwung über die Leinwände.
    Aber auch in diesem Gebiet kann sich Tauer erfolgreich nennen, zumindest war dadurch die Versorgung seiner Familie gesichert.

    Nach Spanien hat es das Ehepaar Tauer bereits vor 25 Jahren verschlagen, nachdem es vorher bereits zum Beispiel in Afrika gelebt hat. Anfangs blieben sie in Altea hängen, wo sie zwölf Jahre lebten. Dann folgte ein Umzug nach Valencia, wo das Ehepaar Tauer für weitere zwölf Jahre eine Galerie und ein Restaurant betrieben. Nun lebt das Ehepaar seit etwa zwei Jahren hier in Denia, wo es eine alte Finca gekauft hat, mit deren Renovierung es bis heute beschäftigt ist. August Wilhelm Tauer hat hier an der Costa Blanca den idealen Platz zum Arbeiten gefunden, in seinem großen Atelier kann er die vorteilhaften Lichtverhältnisse Spaniens besonders gut ausnutzen. Hier gefällt es uns sehr gut und hier bleiben wir nun auch, sagt er zum Abschluss.

    Die großformatigen, farbintensiven Bilder von August Wilhelm Tauer hängen inzwischen in zahlreichen Häusern und öffentlichen Gebäuden hier an der Costa Blanca und darüber hinaus in der ganzen Welt verteilt. Ausstellungen in Spanien, Deutschland, Belgien, der Schweiz, aber auch in San Francisco, Mexiko und Kapstadt verdeutlichen den universalen Erfolg von Tauers Kunst.


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    Spanien-ABC
    Author: Spanien-ABC

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