Das 14. Jahrhundert in den Reichen Kastilien und Navarra

    Wirtschaftliche Krise in Spanien – in Folge der Pest

    Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts hielt im christlichen Spanien die wirtschaftliche Blüte an. Danach verursachten politische Unsicherheit und die Folgen der Pest eine schwere wirtschaftliche Krise.
    Die Bautätigkeit ließ nach. Die neu erbauten Kirchen wiesen kaum Neuerungen auf. Lediglich vierlippige Gewölbe wurden zur stärkeren dekorativen Wirkung verwendet, Stützen stilisiert und Seitenkapellen zwischen den Strebemauern geöffnet.

    Religiöse Baukunst in Kastilien: Kathedrale von Burgos, Kirchen,

    Die grossen Bauten im Königreich Kastilien aus dieser Zeit stehen unter dem dominierenden Einfluss der Kathedrale von Burgos. Sie dient als Vorbild für das Chorhaupt der Kathedrale von Lugo und das herrliche, monumentale Chorhaupt der Kathedrale von Palencia, die zu den wichtigsten Bauten jener Periode zählt. Der gleiche Einfluss ist auch wirksam an der direkt am Meer aufragenden Kirche Santa Maria in Castro Urdiales in der Provinz Santander, die kolossale Ausmasse und ein doppeltes Strebensystem hat.
    An den übrigen Kirchenbauten mildert sich diese Mimikry. Kirchen und Klöster werden empfänglicher für den Einfluss der eher bodenständigen Kulturen. Es ist nicht verwunderlich, dass man in Kastilien eine Vielfalt von Auslegungen des gotischen Stils vorfindet. Es werden Kirchen errichtet, die ein einfaches Chorhaupt mit in einer Linie angeordneten Kapellen aufweisen, das in der Zisterziensertradition verankert ist. Das ist der Fall bei der Kirche Santa Maria la Antigua in Valladolid, die diesen Chorhaupttyp beim tiefgreifenden Umbau im 14. Jahrhundert übernahm. Gleiches gilt für die Kirchen San Esteban in Burgos und San Hipo’lito in Tamara in der Provinz Valencia, die unter dem Schutz Alfons’XI. erbaut wurde. Wahrscheinlich waren es Künstler der Dombauhütte von Burgos, die in Gamonal de Riopico in der Provinz Burgos die einschiffige Kirche Santa Maria mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes und einem schön ausgeschmückten Portal schufen.
    In den Niederlassungen der maurischen Bevölkerung ist an den gotischen Bauten die Arbeitsweise der Mudejaren sowohl am Ziegelsteinverband als auch an der Art der Dekoration zu erkennen. Als Beispiele gelten die Stiftskirche Santa Maria und die Kirche Santiago in Talavera de la Reina in Toledo sowie das monumentale Kloster Guadaldupe in der Provinz Caceres. Es weist demen der Kirche mit einer einzigen Kapelle im Chorhaupt einen schönen Kreuzgang im Mudejarstil auf. Auch in den andalusischen Kirchen findet man diese originelle Stilverschmelzung. Von ihnen sei das Kloster San Isidoro del Campo in der Nähe von Santiponce in der Provinz Sevilla genannt, das an einer seiner beiden Kirchen die ursprüngliche Mudejar-Fassade bewahrt.
    Die in diesem Jahrhundert in Galicien erbauten gotischen Kirchen ziehen aus anderen Gründen die Aufmerksamkeit auf sich. Sowohl dort als auch in Katalonien waren die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner stark vertreten. Sie waren ein Jahrhundert zuvor beim beginnenden Aufschwung der Städte nach Spanien gekommen. Ihre Kirchen waren einfach, bestanden fast immer aus einem Schiff und hatten ein Holzdach. Die wenigen erhaltenen europäischen Beispiele sind in Galicien konzentriert. Dabei handelt es sich um die unter der Anrufung des heiligen Franziskus stehenden Kirchen in Orense, Pontevedra und Lugo, sowie um die stark verДnderte Kirche Santo Domingo in Santiago de Compostela.


    Religiöse Baukunst in Navarra und in den baskischen Adelstürmern.

    Navarra bewahrt während des 14. Jahrhunderts seine Unabhängigkeit gegenüber den Königreichen Kastilien und Aragonien. Seine Architektur steht zu Frankreich in direkter Verbindung. Aus dieser Epoche stammen die Nebenräume der Kathedrale von Pamplona – die vollständigsten dieser Art, die überhaupt erhalten sind. Ausser dem Kreuzgang mit seinem sehr feinen Schmuck sind der Kapitelsaal, das Refektorium und die Kirche in gutem Zustand erhalten. In der gleichen Zeit entstand der Kreuzgang des Klosters Santa Maria in La Oliva, dessen grosse Bögen mit kompliziertem Masswerk geschmückt sind.
    Von den Kirchen seien erwähnt Santa Maria la Real in Olite, die als Kapelle des angrenzenden Klosters diente; Santa Maria in Ujue‘, ein landschaftlich herrlich gelegener Wehrbau mit erhaltenem romanischen Chorhaupt; und schliesslich San Saturnino in Artajona mit einem anmutigen Turm, umgeben von verfallenen Verteidigungsanlagen. Auch die Bauten in den baskischen Adelstürmern entziehen sich dem Einfluss Kastiliens und lehnen sich an Frankreich an, wie bei der Kathedrale von Vitoria. An deren Portal ist ein reiches bildhauerisches Repertoire zu sehen, das an der Kirche San Pedro in der gleichen Stadt nachgeahmt wurde. Die Kirche Santiago in Bilbao mit hallenförmigem Grundriss war Vorbild für viele andere Kirchen in Biskaya und Guipüzcoa, unter denen die Kirche Santa Maria in Lequeitio in der Provinz Biskaya hervortritt.

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    Author: Spanien-ABC

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