Der Übergang zur Renaissance

    Die Katholischen Könige nehmen Einfluss

    Die beiden letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts wurden durch die Heirat der Katholischen Könige Isabella und Ferdinand – und die Vereinigung von Kastilien und Aragonien geprägt. Diese Monarchen setzten die Außenpolitik ihrer Vorgänger fort. Sie erstärkten die politische Macht der Krone durch zahlreiche Massnahmen wie die Aufhebung von Adelsprivilegien, die Reform des Heeres und der religiösen Orden, die Beschneidung der Befugnisse der örtlichen Behörden und Bestimmungen in Hinsicht auf die öffentliche Ordnung.
    Viele Repräsentativbauten nahmen königliche Symbole in ihr ikonografisches Repertoire auf. Ornamente wurden gehäuft verwendet, was auf Künstler aus Mitteleuropa hinweist. Die einfachen Strukturen verschwanden unter Dekoration, die so originell war, dass sie als isabellinischer oder spanisch-flamischer Stil eingestuft wird. Seine Erfinder vereinen harmonisch die Formen der Spätgotik mit dem Rhythmus und der Üppigkeit der Mudejar-Kunst sowie dem beginnenden Einfluss der Renaissance, woraus sich eine ausgesprochen ornamentale Architektur entwickelt.

    Spanisch-flämische Baukunst

    Burgos und Toledo trugen zur Verbreitung des neuen Stils bei. In Toledo errichtete Juan Guas sein bedeutsamstes Werk: das Kloster San Juan de los Reyes. Hier vermischen sich der Einfluss der von Hanequin von Brüssel geprägten Gotik und die Mudejar-Kunst. Hinzu treten Elemente der königlichen Symbole. Die Dekoration ist üppig im Kreuzgang mit seiner zweigeschossigen Galerie und in der Kirche, ganz besonders aber im Querschiff. Guas arbeitete auch am Kartäuserkloster EI Paular in der Provinz Madrid, wo der von ihm geschaffene Kreuzgang erhalten ist. Auch in Segovia findet man Werke von ihm, nämlich die Kirche des Klosters EI Parral und die Kirche Santa Cruz. Beide haben mit spanischflämischen Motiven üppig geschmückte Portale. In Guadalajara tritt zu seinem Repertoire ein Zivilbau, der Palacio del Infantado.
    In Burgos wirkte Simon von Köln, der hier das flämischdeutsche Erbe seines Vaters Juan von Köln einbürgerte. In der Kathedrale schuf er die herrliche Kapelle des Thronfeldherrn Capilla del Condestable mit sternförmigem Gewölbe und Jeristern mit spätgotischem Masswerk. In der Provinz zählen zu seinen Werken der Abschluss der Kartause von Miraflores, sowie die Kirche Santa Maria in Aranda de Duero mit einem Portal, dessen kunstvoller bildhauerischer Schmuck auf einer schuppenähnlichen Unterlage angebracht ist.
    In Valladolid arbeitete Simon von Köln mit an der Kirche San Pablo, wo ihm der minutiös ausgeschmückte, meisterhaft verwirklichte untere Teil der Hauptfassade zugeschrieben wird. Diese Fassade lässt sich nur mit der Frontseite des ebenfalls in Valladolid befindlichen Collegiums San Gregorio vergleichen. Im Inneren des Collegiums ist der Haupthof mit gewundenen Säulen in der unteren Galerie und kompliziertem Bogenwerk in der oberen zu nennen.


    Letzte Manifestationen der Gotik

    Nach dem Tode Isabellas wurde in den letzten Jahren der Herrschaft Ferdinands II. der Einfluss der Renaissance insbesondere an Zivilbauten allmählich immer stärker. Immer mehr Künstler verwendeten italienisierende Elemente für ihre Arbeiten, während sie gleichzeitig die Tendenz zur Ornamentik beibehielten. Als Muster für diese Zivilbaukunst aus dem beginnenden 16. Jahrhundert findet man das Hospital Santa Cruz in Toledo und die königlichen Spitäler in Santiago de Compostela und Granada.
    Sie sind von der Platereske geprägt obwohl die Arbeiten unter der Leitung von Enrique Egas standen, der seine meisterhafte Beherrschung des gotischen Stils an der Königlichen Kapelle in Granada unter Beweis gestellt hatte. Der italienische Einfluss ist auch sichtbar an vielen Adelshäusern, die wie der Palacio del Infantado als äusseres Zeichen der Macht ihrer Bewohner sehr schöne Fassaden haben. Von Ihnen seien genannt das Huas der Golfines in Ca’ceres und die Casa de las Conchas in Salamanca.
    Der Einfluss der Renaissance auf die Kirchenbauten erfolgte jedoch später. Während des 16. Jahrhunderts sind noch Künstler zu finden, die Experten des vorausgegangenen Stils sind. So die Angehörigen der Familie Gil de Hontanon. Sie schufen die letzten gotischen Kathedralen der spanischen Halbinsel: die Neue Kathedrale von Salamanca und die Kathedrale von Segovia. Trotz ihres Anachronismus sind sie herrliche Beispiele des Stils und bereichern das Repertoire der grossen gotischen Kathedralen Spaniens. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, den Augenblick des Verschwindens eines Baustils zu verwischen, der die künstlerische Tätigkeit hier über 300 Jahre lang bestimmte.

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    Author: Spanien-ABC

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