Fronleichnam in Spanien

    Die Nonne Juliane von Lüttich hatte seit ihrer Jugend und jedes mal, wenn sie sich anschickte zu beten, eine Vision: ihr erschien eine Art Vollmond, dessen Mitte durch einen Schatten verdunkelt blieb. Christus erklärte ihr, was es mit der für sie schon zur Besessenheit gewordenen Erscheinung auf sich hatte: Der leuchtende Kreis stellte die liturgischen Feste dar. Der Schatten signalisierte die Abwesenheit eines Festes zu Ehren der Anwesenheit Christi bei dem Abendmahl.

    Die offizielle Bestätigung durch die Kirche wurde 1246 von der Synode gegeben, die Robert von Torote, Bischof von Lüttich, einberufen hatte. Urbano IV., der Archidiakon der Kathedrale, erließ 1263 eine Bulle, durch die das Fronleichnamsfest bestätigt und auf den Donnerstag nach der achten Pfingstwoche gelegt wurde. 1317 befahl Juan XXII. schließlich, die Heilige Form in einer Prozession an die Öffentlichkeit zu bringen. Von diesem Moment an begann sich das Fest zu verbreiten.

    Nach Spanien kam das Fest im Laufe des 14. Jahrhunderts. Gerona und Barcelona waren wahrscheinlich die ersten Städte, die das Fest mit offenen Armen begrüßten. Danach erreichte es Valencia, Lerida, Sevilla und Toledo.

    Bei den Prozessionen sind die Monstranz weiterhin der Mittelpunkt und um sie und ihre Hostie spielt sich alles andere ab. Die Monstranz sind meisterhafte Silberschmiedearbeiten, die alle aus der Hand der drei Arfe – Vater, Sohn und Enkel – stammen, die in diesem Land gearbeitet haben. Eine weitere große Rolle spielten Mysterienspiele. Obgleich keines vollständig überliefert ist, sind Teile von ihnen in verschiedene Feste integriert. Der Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle kommt in Los Danzantes y Pecados, Tänzer und Teufel in Camuñas (Toledo) zum Ausdruck, während es in Laguna de Negrillos (León) der Sebastian, der Banditenhäuptling, ist, der sich Jesus in Person in Begleitung von San Juan Bautista (Johannes dem Täufer) und Santiago el Mayor (Jakob dem Älteren) sowie allen anderen Aposteln stellen muss. In Oñate (Guipúzcoa) ist die 1553 gegründete Brüderschaft von El Santisimo volkstümlich als das Apostolat bekannt. Ebenso wie in Laguna de Negrillos bedecken ihre Mitglieder das Gesicht mit einer Maske und halten die Sinnbilder in der Hand, an denen man sie erkennen kann.

    Ausgesprochen eigentümliche Persönlichkeiten nehmen an den Fronleichnamsprozessionen teil, so El Colacho in Castrillo de Murcia (Burgos), der, wie einige meinen, der Teufel selbst ist und der vor der Eucharistie flieht, wobei er über eine auf dem Boden liegende Matratze voller Kinder springt, die er ganz nebenbei von Bruchkrankheiten heilt. Teufel nehmen auch an den Festen in Fuenlabrada de los Montes und Helechosa de los Montes teil, die beide in der Provinz Badajoz liegen. Dort sammeln sie nur Spenden und verfolgen die Kinderscharen.

    Die Prozession von Valencia so wie die von Morella (Castellón) sind bunt, farbenfroh und barock. Dazu gehören die verschiedensten Persönlichkeiten, Mitglieder von Zünften oder Bruderschaften (das Fronleichnamsfest ist mehr an Zünfte gebunden), Tanzgruppen, der Teufel, gute Geister, Zwerge, Riesen und Adler. In Valencia wurden Mysterienspiele auf Holzkarossen aufgeführt. Da der heutige Zustand der Holzkarossen viel zu wünschen übrig lässt, versucht man, die Aufführungen für sich aufrecht zu erhalten.

    Nicht nur Riesen und Gigantenköpfe flankieren die oft mit duftenden Kräutern und Gräsern besäten Strassen. Auch cocas, mulassas, tarascas und andere Figuren sind da bei zu finden, deren Herkunft von den verschiedensten Geschichten begleitet ist. An La Patum in Berga (Barcelona) nehmen Türken und Pferdchen teil, deren Kämpfe die der Mauren und Christen widerspiegeln. Außerdem machen Teufel mit Feuerwerkskörpern Feuer und es erscheinen die mulassa, mulaguita oder mulafera, eine Art Riesenmonstrum mit Giraffenhals und feuerspeiendem Maul, die nans (Zwerge), gegans (Riesen) und auch l’áliga (Adler) mit Krone, der die Königsmacht darstellt sowie die Befreiung der Stadt von der Feudalherrschaft.

    In Redondela (Pontevedra) findet sich der mythische coca, eine Art Drachen aus Pappmachee, dessen Inneres von Kindern erforscht werden kann. Die burras (Esel) sind Frauen in gesetztem Alter, die beim Tanz ein kleines Mädchen auf den Schultern tragen, das weißgekleidet ist und einen gestärkten Rock trägt, woran es festgehalten wird.

    In Valverde de los Arroyos (Guadalajara) wird der Tanz des Kreuzes bei der Prozession des Allerheiligsten am Sonntag nach der achten Woche des Fronleichnamsfestes aufgeführt. Auch in Pollensa (Mallorca) ist der alte Zunfttanz Sant Joan Palos les Aguiles erhalten.

    Während der Brauch, den Weg der Fronleichnamsprozession mit duftenden Kräutern und Gräsern zu bestreuen, sehr alt ist, sind doch die sogenannten Blumenteppiche oft echte, doch kurzlebige Kunstwerke späteren Datums. Sie sind besonders auf den Kanarischen Inseln, in Katalonien und Galicien verbreitet. 


    Informationen zum Thema Feste in Spanien

    Kunst und Kultur in Spanien

    Spanien-ABC
    Author: Spanien-ABC

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