Mallorca – wenn der Schein trügt

    Mallorca ist ein sehr beliebtes Stückchen Erde. Jeden Sommer wird die spanische Insel von abertausenden heimgesucht. Doch darunter befinden sich nicht nur Sonnenhungrige, sondern auch Vertreter der Umweltorganisation Greenpeace. Denn so sehr die Insel auch lockt mit Sonne, Strand und Meer, umso düsterer sieht es hinter den Kulissen und vor dem Touristen gut versteckt aus:

    Trinkwasserverbrauch

    Nach offiziellen Angaben konsumiert jeder Besucher und jeder Einheimische im Schnitt 300 Liter täglich – mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. Trotzdem wird noch kaum gespart.
    Vor alllem für den Tourismus besteht die Angst, Einschränkungen könnten Urlauber vergraulen und so den wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Insel schwächen.

    Bauwirtschaft

    Auch auf Mallorca gibt es Gesetze, die das Zubetonieren ganzer Landstriche verhindern sollen. Doch die Branche findet immer neue Lücken. So dürfen neue Hotels nur entstehen, wenn dafür alte mit gleicher Bettenzahl abgerissen werden. Stattdessen werden jetzt allerdings überall Apartment-Anlagen hochgezogen.

    Müllentsorgung

    Zwei Prozent mehr Touristen jedes Jahr hinterlassen ihre Spuren. Und zwar leider auch, was den Abfall betrifft, der wächst jährlich nämlich um acht Prozent. Die giftigen Schlacken türmen sich in den Müllverbrennungsanlagen. Recycling soll helfen, die Mengen zu verringern. Doch eine dauerhafte Lösung gibt es nur, wenn die Touristenzahlen abnehmen.

    Landwirtschaft

    Durch die Jahrhundertdürre sind auf den Feldern Viehfutter und Getreideernte verkümmert. Nur durch Bewässerung ist die drohende Versteppung zu stoppen. Doch viele Bauern nutzen veraltete Beregnungstechnik, in dem sie ihre Felder einfach fluten, anstatt effizient zu bewässern. So tragen sie zur Überbeanspruchung der Grundwasser-Reservoirs bei.

    Verkehr

    Der Lärm belastet Mallorquiner wie Urlauber gleichermaßen. Durch die Anhäufung letzterer, die sich während ihres Urlaubs zum großen Teil einen Wagen mieten, ist andauernder Stau im dichten Straßennetz garantiert. Palma de Mallorca hat das höchste Fahrzeugaufkommen Spaniens.

    Diese Punkte sind nur ein Teil davon, was die Umweltaktivisten der Insel vorzuwerfen haben, und das nicht zu Unrecht.
    Denn wenn es soweit ist, dass die Touristen sich von ihresgleichen bedrängt fühlen, und der Urlaub sich zu einer Besichtigungstour von Baustellen entpuppt, kann man seine Augen nicht davor verschließen, was der Massentourismus anrichtet.

    Natürlich muss etwas geändert werden. Aber wie so oft lautet die Devise Natürlich bin ich für Umweltschutz, aber nur solange wir ihn uns leisten können und er uns nicht selbst einschränkt.
    Mit seinem Lieblingsmenschen in einem schnittigen Cabriolet über eine Autobahn entlang der Küste zu rasen ist natürlich reizvoller, als sich mit Umweltschützern an eine Baustelle zu ketten.
    Inselratspräsidentin Antonia Munar begründet die Beibehaltung der derzeitigen Umstände mit dem Anschluss an die große weite Welt. Soll heißen, Mallorca ist international. Und tut auch alles dafür, um seinen Gästen zu gefallen, eine Schmerzgrenze scheint es nicht zu geben.
    Was hat Greenpeace und Co. schon dagegen zu setzen? Stillstand, zur Bewahrung der Kultur. Klingt wie Urlaub am heimischen Teich.
    Letztendlich dürfte Stillstand tatsächlich die einzig rationale Lösung sein, wenn man verhindern will, dass Mallorca sich zu einer einzigen großen Wohnkolonie entwickelt. Denn werden alle Straßenbaupläne umgesetzt, dürften sich noch mehr Dörfer als ohnehin schon zu reinen Schlafstädten verwandeln. Weitere Äcker oder Naturschutzgebiete werden zu Bauland, da die Immobilienmakler nicht geizen mit der Höhe ihrer Kaufangebote. So wird weitergebaut, ohne sichtbares Ende. Die Insel verliert mit dem Verlust der ländlichen Strukturen langfristig auch ihren Charme und ihre Ursprünglichkeit. Zwei nicht zu unterschätzende Faktoren für die Attraktivität Mallorcas als Urlaubsziel. Denken Sie darüber nach, wenn Sie das nächste Mal ihren Urlaub buchen…

    21.11.05
    Sonja Kiekens

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    Spanien-ABC
    Author: Spanien-ABC

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