Das 14. Jahrhundert im Königreich Aragonien

    Mudejarstil in Aragonien (Aragon)

    Während im 13. Jahrhundert die Gotik in Kastilien ihren Glanz verbreitete, erreichte sie erst im 14. Jahrhundert ihren Höhepunkt in den der Krone von Aragonien unterstehenden katalonischen Gebieten.
    Im eigentlichen Aragonien steht die Architektur dem südlichen Spanien näher als der katalanischen Baukunst. Es entstanden zahlreiche einschiffige gotische Kirchen. Sowohl Dekoration als auch die Verwendung von Ziegelsteinen zeigen, dass der Mude’jarstil in Aragonien bevorzug wurde. In Zaragoza sind die Kirchen Santa Maria Magdalena und San Miguel de los Navarros trotz späterer änderungen Originalbeispiele für die Verwendung von Ziegelsteinen an einem gotischen Bau entsprechend der Bauweise der Mudejaren.
    Weitere Bauten dieser Art sind die kleine Kirche Santa Tecia in Cervera de la Cafiada und Santas Justa Rufina in Maluenda, in denen die ursprüngliche Innendekoration im schönsten Mude’jarstil erhalten ist.

    Religiöse Baukunst in Katalonien

    Von diesem Zeitabschnitt kommt den gotischen Bauten in Katalonien aufgrund ihrer stilistischen Einheit und der Originalität der hier geschaffener Formen besondere Bedeutung zu. Es werden Bauten errichtet, die lokalen Bedürfnissen und Lebensformen entgegenkommen und es vermeiden, die französischen Vorbilder buchstäblich nachzuahmen.
    Die sparsam dekorierten Fassaden erinnern an Festungen, ihre Schönheit erklärt sich durch das Zusammenspiel der reinen Volumen. Besonders in Bezug auf die Innenräume wird eine Neuheit eingeführt: man neigt zur Herstellung eines einzigen Kirchenschiffs. Und wenn mehrere Kirchenschiffe vorhanden sind, erhalten alle die gleiche Höhe. Die Stützen werden stilisiert, auf die Innendekoration in grossem Umfang verzichtet, die Bedachung entsteht weiter aus einfachen Kreuz- anstatt sternenstrahligen Gewölben. All diese Merkmale tragen dazu bei, dass man den Raum als groъe Einheit und eine verhaltene Eleganz wahrnimmt.
    Viele Städte der Krone errichten während dieses durch rege Bautätigkeit gekennzeichneten Jahrhunderts ihre Kathedralen: Barcelona, Palma de Mallorca und kleinere Orte wie Tortosa in der Provinz Tarragona oder Manresa in der Provinz Barcelona. Die Grundrisse entsprechen dem dreischiffigen Vorbild, weil die einer Kathedrale zustehende Grandiosität erreicht werden musste, ohne dass die vorher beschriebenen Stilmerkmale ausser Acht gelassen wurden. Die übrigen Kirchen wurden einschiffig erbaut. Zu den wenigen Ausnahmen zählt die Kirche Santa Maria del Mar in Barcelona, deren kühn angelegter, heiter wirkender Innenraum stark beeindruckt.
    Die einschiffigen Kirchen machen den Einfluss der Bettelorden deutlich. So ist zu sehen, dass in der eleganten Königlichen Kapelle Santa Agueda in Barcelona eine einfache Holzbedachung verwendet wurde. In anderen wurde das Kreuzgewölbe benutz. Zwischen den Strebemauern wurden Kapellen angelegt, wie es der im vorausgegangenen Jahrhundert entsprach. Unter diesen Kirchen treten hervor: San Francisco In Palma de Mallorca, die Kirche des Klosters von Pedralbes in Barcelona und, ebenfalls in Barcelona-Stadt, die Kirche Santa Maria del Pino mit einem überdimensionalen Kirchenschiff.


    Zivile Baukunst in Katalonien

    Neben der Blüte religiöser Bauten erlebte Katalonien von der Mitte des Jahrhunderts den Glanz einer zivilen Baukunst. Verglichen mit den übrigen Teilen der spanischen Halbinsel ist sie einmalig. Im Gegensatz zu Kastilien, das seine feudale Gesellschaftsordnung beibehielt, verursachte die kommerzielle Expansion Kataloniens im Mittelmeerraum ein starkes Anwachsen der Bürgerschichten. Es entstanden Bauten, mit denen man der in den Städten abgewickelten Handelstätigkeit Würde verleihen wollte.
    Diese Entwicklung der zivilen Baukunst war in Barcelona sehr bemerkenswert. Pedro IV. liess im Königlichen Palast den prächtigen Salo’n del Tinell anlegen, der bis heute in perfektem Zustand erhalten ist. Der Conseio de Ciento wurde erbaut als Sitz des Rates der 100 Männer, die die Stadt regierten. In dem Gebäude ist heute das Rathaus eingerichtet, eine der alten Fassaden mit schlichter, eleganter Ausschmückung ist noch zu sehen.
    Von der in dieser Epoche errichteten Lonja oder Börse – es war die erste auf der spanischen Halbinsel – ist nur der Salo’n de Contrataciones übrig, der sich in der im 18. Jahrhundert errichteten neuen Lonja del Mar befindet. Ebenfalls erhalten sind die Schiffszeughäuser oder Atarazanas, wo Schiffe erbaut oder repariert wurden. Im 13. Jahrhundert entstanden, wurden sie von Pedro IV. erweitert. Auъerdem wurden zahlreiche Adelshäuser erbaut, die man im sogenannten Gotischen Stadtviertel bewundern kann.
    In der Provinz Tarragona liegt das Städtchen Montblanch, dessen Festungsbezirk aus dem Mittelalter stammt. In Tortosa gibt es den erzbischöflichen Palais von Tortosa, der ausser seiner prächtigen Kapelle den typischen Innenhof der gotischen Wohnhäuser Kataloniens mit Galerie und Freitreppe vorweisen kann.
    Für das Königreich Aragonien sind die Verteidigungsbauten weiterhin wichtig. Zu ihnen gehören die Festungsanlagen von Daroca in der Provinz Zaragoza und Morella in der Provinz Castello’n, die sich den Geländegegebenheiten bestens anpassen. In den Stadtmauern von Valencia öffnet sich das Tor Puerta de Serranos, das von mächtigen polygonalen Türmen frankiert wird. Und in Palma de Mallorca wird die Burg von Bellver mit ihrem originellen runden Grundriss und zweigeschossiger Galerie errichtet, die bezeugt, wie die Festungen ihren Verteidigungscharakter ändern und in Paläste umgestaltet werden.

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    Author: Spanien-ABC

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