Spanische Literaturepochen

Römer und Araber

Bereits unter römischer Herrschaft hat Spanien große Schriftsteller hervorgebracht: Seneca d. Ä. und dessen Sohn den Philosophen Seneca, Quintilias, den Satiriker Martial und den Dichter Lucanus. Im achten Jahrhundert entstand als miniaturenverzierter Kommentar zur Apokalypse des Mönchs Beatus von Liebana eine der schönsten Miniaturenhandschriften jener Zeit: der Beatus. Zur gleichen Zeit traten Schriftsteller arabischer Sprache hervor. Die Literatur in Spanien entwickelte sich erst im Mittelalter.

Das Mittelalter

Die christliche Rückeroberung Spaniens lieferte reichlich Stoff für epische Dichtungen. Das von einem anonymen Autor stammenden Heldenlied El Cantar del Mio Cid aus dem 12. Jahrhundert schildert Abenteuer des Cid. Es ist das erste Sprachdenkmal der spanischen Literatur.

Als Schöpfer geistlicher Dichtung trat im 13. Jahrhundert der Mönch Gonzalo de Berceo hervor. Der in galizischer Mundart dichtende König Alfons X, der Weise, führte das Kastilische als offizielle Landessprache in. Durch die Vorherrschaft Kastiliens verdrängte die kastilische Mundart, das Castellano, auch in anderen Teilen Spaniens das bis dahin gebräuchliche Latein. Nur in Katalonien erhielt sich weiterhin Katalanisch als Schriftsprache.

Im 14 . Jahrhundert führte Don Juan Manuel die erzählende Prosa als Literaturgattung ein. Der Erzpriester Juan Ruiz de Hita verfasste das Buch des guten Liebens, ein bemerkenswertes, satirisches Werk in Versen, mit dem er die Grundlagen für den Schelmenroman legte.

Die Renaissance

Im 15. Jahrhundert eiferten Dichter wie Jorge Manrique und der Marquis von Santillana italienischen Vorbildern nach. Zur gleichen Zeit – bis hinein ins 16. Jahrhundert – erfreute sich der Romanzero Viejo, eine volkstümliche Balladensammlung aus dem Mittelalter großer Beliebtheit. Der 1508 veröffentlichte Ritterroman von Amadis de Gaula erlangte die Gunst des Publikums und eine Reihe ähnlicher Werke entstanden.

Eines der ersten Werke des modernen Theaters ist La Celestina von Fernando de Jojas. Das 1499 urafgeführte Stück besticht durch seine Dialoge, die Mischung von Tragik und Komik und seine psychologische Dimension.

Das goldene Zeitalter

In der Regierungszeit der Habsburger (1516-1700) erreichte das literarische Schaffen in Spanien seine höchste Blüte. Damals wirkten die großen Lyriker Garcilaso de la Vega, der sich am italienischen Vorbild orientierte, Fray Luis de Leon und vor allem Luis de Gongora (1561-1627), dessen sehr wortreicher aber manchmal unverständlicher Stil als Gongorismus-Schule machte. Typisch für diese Zeit sind Schelmenromane. Als erster seiner Art erschien 1554 Lazarillo de Tormes, ein anonymes Werk. Der Moralist Fray Luis de Granada und vor allem die Heiligen Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz stellten ihr schriftstellerisches Talent in den Dienst der Religion.

Wichtige Dokumente dieser Zeit sind jene, die die Chronisten Cortes und Bartomone de la Casas über die Eroberung Amerikas anfertigten.

Der hervorragendste Schriftsteller des goldenen Zeitalters war zweifellos Cervantes (1547-1616) mit seinem Meisterwerk Don Quijote de la Mancha. Ende des 16 Jahrhunderts entstand diese spanische Komödie, vorbereitet von den volkstümlichen Burlesken im italienischen Stil des Lope de Rueda. Es folgten viele Theaterdichter. Als einer der Besten gilt Lope de Vega (1562-1635). Mit Recht wird er in Spanien der Phönix der großen Geister genannt. Er verfasste über 1000 Theaterstücke verschiedener Gattungen. Die philosophisch-historischen Stücke seines Nachfolgers Calderon de la Barca (1600-1681) spiegeln die spanische Seele und Lebensart gegen Ende des 17. Jahrhunderts wider. Tirso de Molina war der Schöpfer des heute noch gültigen Typus des Don Juan.


Das 18. und 19. Jahrhundert

Die Schriften der Essayisten Feijoo und Jovellanos benennen die Ideen der Aufklärung. Sprachliche Eleganz ist das Hauptmerkmal der Theaterstücke des von Moliere beeinflussten Moratin. Ramon de La Cruz erlangte mit seinen Sainetes große Popularität. Der bedeutendste Dichter der Romantik war der Sevillaner Bequer (1836-70). Als Sozialkritiker trat Larra hervor.

Das 20. Jahrhundert

Die Generation von 1898, die durch den Verlust Kubas in ihrem Selbstbewusstsein geschwächt waren, riefen nach einer geistigen Erneuerung Spaniens. Die markantesten Vertreter dieser Bewegung sind die Essayisten Miguel de Unamuno (1864-1936), Azorin, der Schriftsteller Pio Bajora und der Ästhet Valle Incian. Zeitgenossen sind der einen neuen Theaterstil entwickelnde Nobelpreisträger Jacinto Benavente und der Schriftsteller Blasco Ibanez. Es folgen Juan Ramon Ibanez . Nobelpreisträger von 1956, der kastilische Dichter Antonia Machado und Rafael Alberti. Der andalusische Dichter und Dramatiker Federico Garcia Lorca (1898-1936) ist einer der faszinierendsten Schriftsteller Spaniens.

Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Bürgerkrieges setzten sich die Dichter Blas de Otera, Leopoldo Panero, Damaso Aonso undGabriel Celaya sowie Dramtiker, Alfonso Sastre, und Schriftsteller hauptsächlich mit den sozialen Problemen ihres Lebens auseinander. Besonders bekannt wurden Camilo Jose Cela, Nobelpreisträger für Literatur 1989, Ramon Sender und Antonio Ferres.

Unter den zeitgenössischen Schriftstellern sind Juan Benet, Juan Marse, Manuel Vazquez Montalban, Eduardo Mendoza, Javier Marias und die Dramatiker Antonio Gala, Ferrnado Arrabal und Francisco Nieva zu nennen. Einen nicht zu übersehenden Beitrag zur spanischen Literatur leisten die lateinamerikanischen Schriftsteller spanischer Sprache wie Borges, Garcia Marquez, Neruda, Miguel Angel Asturias, Maria Vargas Llosa und Octavio Paz.

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