Sprachen und Dialekte – Stolz der Bevölkerung

Vor 25 Jahren existierten an der Costa Blanca gerade mal zwei chinesische Restaurants, eines in Benidorm, das andere in Alicante, zeitweise eines dazwischen irgendwo in einer Urbanisation am Meer, ich glaube, das war kurz vor Campello, und zwei oder drei indonesische. Inzwischen gibt es hier unzählige chinesische Restaurants, die fast alle nach der Regel der chinesischen Mondlandung entstanden sind: ein Chinese, darauf noch ein Chinese, darauf noch einer, noch einer.

Die ersten chinesischen Familien haben, nachdem sie sich und ihr Restaurant installiert hatten, ihre engsten Familienmitglieder nachkommen lassen. Die haben ein weiteres Chinarestaurant eröffnet und andere Verwandte einfliegen lassen und so haben sich im Laufe der letzten zehn Jahre zwischen Dénia und Benidorm zahlreiche chinesische Familien niedergelassen, von denen viele miteinander verwandt sind und die fast alle Chinarestaurants betreiben.

Mitgebracht haben sie die Einkaufsmöglichkeiten, die chinesische Händler auf der ganzen Welt auszeichnen, ihren engen Familien- oder Clanzusammenhalt und ihre eigene Sprache. Sie unterhalten sich überwiegend in ihrer Muttersprache, das Spanische lernen sie meist erst in der zweiten oder gar dritten Generation richtig.

Nicht nur die Chinesen haben sich an der Costa Blanca ihre eigenen Ghettos geschaffen, auch viele andere Ausländergruppen bemühen sich eifrig, das Gleiche zu tun.

So haben sich die Moros, die Araber, als sie Spanien erobert hatten, mit viel Mühe und mit besonders geringem Erfolg angestrengt, den Einheimischen ihre Sprache beizubringen. Die Kastilier bemühten sich in Katalonien und der Comunidad Valencia ohne nennenswerten Erfolg, die jeweiligen Sprachen, das Catalan oder das Valenciano, als Amtssprache abzuschaffen und in Schulen nicht mehr zu lehren.

Unter Franco waren diese Sprachen – oder Dialekte – nicht gerne gehört und Geschriebenes, Presse, Bücher und so weiter, konnte man erst recht nicht finden.

Darum schlug nach Francos Tod das Pendel auf die andere Seite aus, darum heute immer noch das Geschmiere auf den Hinweisschildern, darum Prämien oder Preisnachlässe für Reklameschilder in Valenciano in vielen Gemeinden und darum auch die Einführung dieser  Sprache als Amtssprache – man nennt das Normalisation der Sprache  in vielen Ayuntamientos.

Auch in Dénia wurden vor ein paar Jahren viele Straßennamen ins Valencianische umbenannt, auch in Moreira sind die meisten Straßenschilder zweisprachig und Jávea und andere Orte machen in diesen Bestrebungen keine Ausnahme.

Es wäre doch besser, so sagen viele mit den hiesigen Verhältnissen nicht vertraute Ausländer und sogar viele Spanier, wenn die Leute ihre Energien nicht auf das Valenciano oder Catalan, unbedeutende Sprachen beziehungsweise Dialekte, sondern darauf konzentrieren würden, außer der Amtssprache des Landes, dem Castellano, auch Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Chinesisch, Arabisch oder sonstige Sprachen zu lernen, denn das kann – wegen deren Verbreitung – wesentliche Vorteile bringen, während der hiesige Dialekt nur von der Hälfte der regionalen spanischen Bewohner beherrscht, von Fremden oder im Ausland kaum verstanden und überhaupt nicht gesprochen wird.

Wer kann sich aber in die Wünsche eines Volkes hineindenken, das seine eigene Kultur bewahren und seine vorher fast vergessene Sprache erhalten will? Gibt es auf der Welt doch viele Länder, die weniger Einwohner als die Comunidad Valenciana –  von Katalonien gar nicht zu reden – haben und trotzdem eigene Sprachen bewahren und pflegen.

Ich wollte nach der Chineseneinleitung eigentlich direkt auf andere Volksgruppen in Spanien kommen, hielt aber den Abstecher zum Valenciano für wichtig. Deshalb bitte ich Sie, jetzt in Gedanken noch einmal kurz darauf zurückzukommen.

Hier in Spanien leben nicht nur Chinesen in Ghettos, sondern zahlreiche andere Nationalitäten haben sich ebenfalls ihre eigenen abgetrennten, isolierten Welten geschaffen.

So können im gleichen Ort jahrelang Deutsche, Engländer oder Niederländer täglich ausgehen, täglich einkaufen, täglich verschiedene Restaurants, Bars oder Clubs besuchen, ohne sich je zu begegnen oder kennenzulernen. Auch kenne ich Geschäftsleute in unseren Gemeinden, die schon jahrelang hier leben und in ihrem Beruf Erfolge nachweisen können, aber die Landessprache kaum verstehen. Ich spreche da noch nicht einmal vom Valenciano – bei dem ich selbst nicht so recht einsehe, warum ich mehr tun sollte, als mich zu bemühen, es zu verstehen – sondern das Castellano, die spanische Landessprache.

Je mehr Ausländer nach Spanien kommen, umso weniger braucht man sich zu bemühen, die Landesprache zu erlernen, denn überall gibt es Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten, in denen die eigene Sprache gesprochen wird.

Sie haben hier neben Ihren zahlreichen deutschsprachigen Wirten auch deutsprachige Bäcker, deutsprachige Metzer, deutsprachige Handwerker – und das ist der Clou – sogar auf der Polizei gibt es deutsprachige Dolmetscher, von den deutsprachigen Radiosendungen und deutsprachigen Regionalzeitungen und im Sommer deutsprachige Nachrichten im spanischen Fernsehen, den fast zwanzig deutschen über Satellit zu empfangende Sendern und den deutschsprachigen Clubs gar nicht zu sprechen.

All diese Einrichtungen sind eigentlich etwas, was es besser gar nicht geben sollte, was in dieser Vielfalt aus unserer spanischen Zweitheimat ein Ghetto macht, was uns hindert, uns zu integrieren und in der Bevölkerung nicht als Fremdkörper aufzufallen.

Ändern können wir diese Entwicklung nur schwer, denn schon in der Natur sucht jedes Schaf den Kontakt mit der Herde und bei den Menschen ist das nicht viel anders.

Letzten Endes sind viele Residenten, die hier arbeiten, größtenteils damit beschäftigt, für ihre Landsleute irgendwelche Dienstleitungsangebote zu erbringen – die Deutschen natürlich in deutscher Sprache.

Die meisten Rentner sind eh nicht mehr darin interessiert, eine andere Sprache intensiv zu erlernen.

Wenn alles ideal wäre, wenn auch hier Spanien noch Spanien wäre, dann wäre die Infrastruktur –  die Urlaubsangebote, die Hotels, Häuser oder Apartments, die Restaurants, die Medien – nicht da, dann kämen nicht so viele Urlauber aus unseren Ländern hierher und dann müssten Sie, wenn Sie ein Bier bestellen wollten, auch noch Cerveza sagen, oder müssten pez von pescado unterscheiden können, oder man würde Sie nicht verstehen.

Wer nur wenige Kilometer von hier aus ins Inland fährt, kann ganz leicht Kontakt mit dem wirklichen Spanien, mit Einheimischen, die bisher kaum oder gar nicht mit Ausländern in Berührung gekommen sind, bekommen. Und wer etwas weiter fährt, nicht in die begehrten Touristenorte, sondern in kleine Kaffs, sich dort einmal in einem Hostal einmietet und ein paar Tage mit der Bevölkerung verbringt, lernt in wenigen Tagen sicher mehr Spanisch und mehr über Spanien, als bei monatelangem Aufenthalt an der Touristenküste.

Wenn Sie dann die Sprache etwas beherrschen, kommt der zweite Schritt der Integration, nämlich die Eingliederung in ihre spanische Heimatgemeinde. Ich gebe zu, dass dieser Schritt recht schwer ist, wenn man in einer Urbanisation lebt, die meist für Ausländer gebaut ist und nahezu ausschließlich von solchen bewohnt wird, aber unmöglich ist es nicht.


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