Sporttaubenzüchten – ein Sport für Tauben oder Menschen?

    Unglaublich aber wahr: In Spanien ist die Taubenbegattung eine Sportart. Dabei werden 100 männliche Tauben auf eine weibliche losgelassen. Für wen aber ist das Sport? Wohl eher für die Tauben als für den Menschen. Vor allem für das Taubenweibchen, das nur seinen kleinen Taubenhintern retten will.
    Colombaires nennt sich die Sportart, die im Süden auf eine lange Tradition zurückblickt. Die Tauben werden bemalt, damit man sie aus der Ferne auch gut unterscheiden kann. Dann wird um die Wette geflogen, geflirtet und begattet.
    Es gehört Einiges dazu, sich unter so vielen Mitstreitern durchzusetzen. Das schaffen nur die intelligentesten, sportlichsten und paarungswilligsten Täuberiche. Der Beste unter den Begattern und der ganze Stolz von Bürgermeister Juan Moragues war in der gerade vergangenen Colombaires-Saison das Taubenmännchen Peque. Herr Moragues züchtet mit Leidenschaft Tauben für die Colombaires. Das stößt sowohl auf Begeisterung bei einigen Spaniern als auch auf Unverständnis bei vielen Ausländern und seitens der Tierschutzvereinigungen. Wie viele Andere auch, wurde Peque einzig für die jährlichen Wettkämpfe gezüchtet und darauf dressiert, im Wettbewerb dem Weibchen hinterher zufliegen. Nach wochenlangem Liebesentzug werden die Männchen richtig kreativ und lassen sich Allerlei einfallen, um ihr weibliches Gegenüber zu verführen. Das ist nicht leicht, da das Täubchen sich natürlich nicht von 100 Werbern gleichzeitig begatten lassen möchte und flieht.
    Um den erfolgreichsten Werber zu ermitteln, wird so Einiges auf die Beine gestellt. Helfer des Kampfgerichts stehen mit Ferngläsern auf Balkonen und Terrassen und halten die acht Schiedsrichter über Funk auf dem Laufenden, wo sich der Schwarm gerade befindet. Die Kampfrichter selber sitzen auf Motorrädern oder im Flugzeug und beobachten den gebündelten Gefiederknäuel. Ist das der Sport von dem hier gesprochen wird? Da sollten sich die Spanier mal lieber ein Beispiel an den Taubenmännchen nehmen und um ihre Täubchen werben, anstatt der Natur ins Handwerk zu fuschen.
    Am Weibchen ist ein Sender befestigt. Pro Minute, die ein Täuberich bei ihr verbringt, bekommt dieser zwei Punkte. Legt er einen Sturzflug hin oder führt ein Kunststück auf, um das Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, bekommt er extra Punkte. Letztes Jahr schaffte es ein kleiner Macho, das Taubenweibchen bis in seinen Käfig zu locken.
    Sporttaubenzüchten gab es schon im 8. Jahrhundert, zumindest in den Regionen Valencia und Murcia. Die Saison dauert von Oktober bis Juni. Seit 1944 gibt es einen nationalen Züchterverband und im Jahr 2002 wurde ein Gesetz von der valenzianischen Landesregierung erlassen, nachdem eine verloren gegangene Taube an spezielle Sammeltaubenschläge zurückgegeben werden muss. Wenn man sich nicht daran hält, droht nun eine Strafe.
    Ob die Prioritäten da richtig gesetzt sind? Zumindest gibt es noch kein Gesetz, dass Taubenquälerei verbietet, beziehungsweise erzwungenen Taubensex. Viele Vögel finden jährlich den Tod, weil sie sich gegenseitig attackieren. Nun können sich sowohl Weibchen als auch Männchen erst mal ausruhen und gebrochene Flügel verheilen, bis es wieder heißt: Die Tauben sind los!

    Saskia Wiegand


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    Author: Spanien-ABC

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