Wanderwege in Spanien

    Der bekannteste Wanderweg Spaniens ist ohne Zweifel der Camino de Santiago, der Jakobsweg mit dem Ziel Santiago de Compostela mit der Grabstätte des Apostels Jakob. Hierbei handelt es sich eigentlich um ein ganzes Netz von Wegen, das zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert entstand. Allein der Hauptweg im Norden Spaniens hat eine Länge von 774 Kilometern.

    Noch heute wandern jährlich Tausende den Jakobsweg entlang, allein 2003 waren es mehr als 74.000 Pilger aus allen Teilen de Welt. Da 2004r das Heilige Jahr ist und der Namenstag des Apostels auf den 25. Juli, einen Sonntag, fällt, erwartet man sogar die dreifache Zahl gläubiger Wanderer; zusätzlich dazu muss man die Pilger rechnen, die sich auf anderem Wege als wandernd nach Santiago de Compostela aufmachen werden.
    1987 erklärte der Europarat den Jakobsweg zur europäischen Kulturstraße, zwei Jahre zuvor war der Wallfahrtsort von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt worden. 1993 erhielt der Hauptweg durch Spanien diesen Status, dem 1998 die vier wichtigsten Jakobswege durch Frankreich folgten.
    Natürlich gibt es daneben in Spanien noch weitere Wanderrouten, manche kreuzen den Jakobsweg, andere nicht.
    Noch aus römischer Zeit stammt die Ruta de la Plata, häufig falsch mit Silberstraße übersetzt. Dabei bezieht sich der Name viel mehr auf das arabische bal latta, breiter Weg. Dieser Weg war die wichtigste Nord-Süd-Verbindung im Westen Spaniens und führte von Mérida nach Astorga. Heute geht die ganze Strecke von Sevilla nach Santiago de Compostela und verläuft weitgehend parallel zur Nationalstraße N630 über kleine Straßen, Landwirtschaftswege oder einfache Pfade. Dieser Wanderweg wird von den Massen der Pilger meist ausgelassen, so dass man recht ungestört die Landschaft genießen kann. Zu empfehlen ist gutes Kartenmaterial, da es nur unregelmäßige Markierungen gibt.
    Ein weiterer schöner Wanderweg entspringt ebenfalls der römischen Zeit, die Vía Augusta. Mit knapp 1500 Kinometern ist dieses die längste römische Handelsstraße innerhalb Spaniens und verbindet die Pyrenäen mit Cádiz. Von hier geht der Weg weiter über Sevilla, Córdoba, Valencia, Sagunt, Barcelona nach Frankreich. Hier geht es vorbei an reizvoller Landschaft und kulturellen Sehenswürdigkeiten, Resten der ehemaligen Handelsstraße, Brücken und Viadukten. Allerdings sollte man auch hier über gutes Kartenmaterial verfügen, da der Wanderweg mehrmals seinen Namen ändert.
    Wer ganz andere Wanderrouten erkunden will, hat auf mehr als 32.000 Kilometern markierter Wege ausreichend Möglichkeit dazu: Knapp 17.000 Kilometern sind davon Weitwanderwege, 12.000 Kilometer führen über kürzere Strecken.
    Die 1969 gegründete European Rambler Association hat eine europäisches Einheits-Wegemarkierung durchgesetzt, die also auch in Spanien die Wege kennzeichnet.
    In Spanien existieren vier Arten von einheitlich markierten Wanderwegen.

    Senderos de Gran Recorrido (GR)

    Weitwanderwege, derzeit ungefähr 94 mit einer Länge von mehr als 50 Kilometern.
    Sie sind in den Farben Weiß und Rot markiert, ebenso wie die Europäischen Fernwanderwege. Ausgeschildert sind sie als GR plus der entsprechenden Nummer.

    Sendero de Pequeno Recorrido (PR)

    Wanderstrecken zwischen zehn und 50 Kilometern.
    Die PRs erkennt man an weiß-gelber Farbmarkierung, ihre Bezeichnung richtet sich nach dem jeweiligen spanischen Land beziehungsweise der autonomen Region (Beispiel PR-V 7= Sendero de Pequeno Recorrido im Land Valencia, Nummer 7)

    Sendero Local (SL)

    Quasi ein lokaler Wanderweg, der in der Regel nicht länger als zehn Kilometer sein sollte und meist zu typischen Aussichtspunkten, kulturellen oder landschaftlichen Sehenswürdigkeiten führt.

    Senderos Urbanos (SU)

    Diese können als städtische Wege bezeichnet werden und befinden sich im Umfeld von Gemeinden.
    Erkennbar sind sie an der weiß-blauen Kennzeichnung. Diese Wege dürfen allerdings auch Reiter, Mountainbiker und andere benutzen.

    Vías Verdes – stillgelegte Eisenbahntrassen

    Eine reizvolle Alternative bieten diese Wege, die aus stillgelegten oder nie genutzten Eisenbahntrassen entstanden sind. Zur Zeit sind genau 50 solcher Routen geöffnet, auch diese dürfen von Fahrradfahrern genutzt werden und sind durch die breiten Wege und geringe Höhenunterschiede auch für Behinderte geeignet.
    Am besten kann man sich vor Ort in den entsprechenden Tourismusbüros über die unterschiedlichen Wanderrouten erkundigen, die dazu auch ausreichend Informationsmaterial anbieten können.
    Vor jeder Wanderung sollte man sich über die eigene Kondition im Klaren sein und nicht zu Selbstüberschätzung neigen. Gerade bei steigenden Höhenmetern ist zugleich eine gewisse Akklimatisierung nötig. Außerdem sollte man sich mit ausreichend Kartenmaterial ausrüsten und sich über die Markierungen informieren. Zudem empfiehlt es sich, jemanden über die geplante Strecke zu benachrichtigen, der im Notfall von zu Hause Hilfe holen kann. Zu dem Zwecke sollte der Wanderer immer über ein Handy und die entsprechenden Notfallnummern verfügen.

    Julia Borck

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    Author: Spanien-ABC

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