Weihnachten und das Fest der heiligen Drei Könige

    Der 24. Dezember

    Die Geburt Christi wird in Spanien auf viele verschiedene Weisen gefeiert. Besonders die Villancicos genannten Weihnachtslieder werden vor allem in den weniger kalten Regionen wie Andalusien und Extremadura in den Strassen gesungen, wo die Pandas, Cuadrillas, Campanilleros, Aguinalderos oder Pastorales genannten Gruppen um Weihnachtsspenden bittend durch die Ortschaften ziehen. Auf den Kanarischen Inseln singen die Divinos, die göttlichen Gruppen, Weihnachtslieder begleitet von Trommeln, Pfeifen, Schellentrommeln, Mandolinen und Gitarren.

    In der Nacht des 24. Dezembers wird die Mitternachtsmesse zelebriert, die berühmte Misa del Gailo (Hahnenmesse), die um Mitternacht stattfindet. Das ist die Stunde des Hahns, der zu dieser Stunde zum ersten, um drei Uhr zum zweiten und um sechs Uhr zum dritten Mal gekräht haben soll. Die Christmette in Callosa de Segura (Alicante) wird auch Pastorela genannt und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die dort gesungenen Weihnachtslieder sind typisch für Callosa. In Labastida (Alava) dagegen wirken Hirten mit und dazu der Großvater, der ein Lamm auf dem Arm trägt, die Hirtin mit dem Christkind und der Cachimorro, der den Tanz dirigiert. In Lucena del Cid (Castellon) werden nach der Christmette les Albaes gesungen, und in Velez Blanco (Almeria) tritt die Cuadrilla de Animas vom 24. bis 28.Dezember auf.

    Olentzero und Weihnachtsaufführungen

    Zu den außerordentlichsten mit Weihnachten verbundenen Erscheinungen gehört die des Olentzero, der einen Kohlenbrenner darstellt, der aus den Bergen zum Dorf hinunter kommt, um die gute Neuigkeit zu verkünden. Dieser Olentzero oder Olentzaro, der in verschiedenen Orden von Navarra und Guipuzcoa erschien, ist vor allem in Lesaca (Navarra) erhalten geblieben, wo er Heiligabend von zahlreichen Gruppen auf den Schultern getragen wird. Aus Pamplona verschwand der Olentzero nach dem Bürgerkrieg und erschien erneut in den sechziger Jahren.

    Weihnachtsaufführungen sind weit verbreitet, besonders in Katalonien, wo sie Pessebres oder Pastores genannt werden, bei denen die Ortseinwohner mitwirken. Eine der bekanntesten Pessebres ist die Aufführung in Corbera de Llobregat (Barcelona), aber es gibt sie in vielen anderen Orten, wie Prat de Llobregat (Barcelona), Isona (Lerida) und Molsosa (Lerida). Die Bruderschaft El Niño Dios organisiert die Weihnachtsfeiern in Galisteo (Caceres), wobei ein Mysterienspiel aufgeführt wird. Die 33 Mitglieder der Bruderschaft ziehen sich am Nachmittag von Heiligabend ihre alten Umhänge über und ziehen, ihre traditionellen, Rajas genannten Lieder singend, durch die Straßen.

    Caga Tío und Feste um die Jahreswende

    Ein weiterer, auf Weihnachten bezogener Brauch Kataloniens ist der Caga Tió, wobei ein mit Süßigkeiten und Geschenken gefüllter Baum aufgestellt und von den Kindern beklopft wird, bis Haselnüsse, Mandeln, Bonbons, zuckerüberzogene Nüsse, Zuckerkohle und andere Süßigkeiten hervorquellen.

    In der Kathedrale von Palma de Mallorca wird die Weihnacht mit Frühmetten und dem Gesang Cant de Sa Sibil la vorbereitet. Dieser Brauch, der in Südfrankreich, Katalonien, den Balearen und Korsika verbreitet ist, wurde vom Trienter Konzil abgeschafft. Der Bischof von Mallorca aber beschloss, ihn weiter zu erlauben. Auch die Campanas de Auroros sind zu dieser Zeit in Murcia zu hören, wo sie ihre alten und ehrwürdigen Gesänge vortragen.

    1982 beschreibt Andres Pardo, Direktor des Secretariado Nacional de Liturgia, die Ursrpünge aller Bräuche zur Erinnerung an die Geburt Christi. Laut Pardo wurde Weihnachten auf den 25. Dezember verlegt, um dem heidnischen Sonnenfest entgegenzuwirken. Dieses Fest fand am gleichen Tag statt. Den Ursrprung des Festes fände man in Ägypten. Seit dem Ende des vierten Jahrhunderts verbreitete sich das Fest von Rom aus über Afrika, Norditalien und Spanien.

    In der Zeit zwischen Weihnachten und dem Jahresende finden einige interessante Feste statt, wie das Treffen der Verdiales, Sängergruppen aus den Bergen von Málaga am 28.Dezember im Gasthof El Tunel, acht Kilometer außerhalb der Provinzhauptstadt. Zur selben Zeit wurde der von Herodes angeordnete Kindermord mit den Fiestas de Locos y Obispillos, Feste der Verrückten und Messediener, ins Gedächtnis gerufen, von denen heute aber nur noch wenige Spuren erhalten sind.

    Das Messdienerfest
    wurde in vielen spanischen Kathedralen gefeiert. Es galt dabei, einen als Bischof verkleidenden Jungen unter den Sängerknaben zu wählen. Das beste Beispiel dafür ist der von Montserat. wo die Schüler intern das Fest El Bisbeto feiern. Dieser kleine Bischof übte während seiner Amtszeit eine gewisse Macht aus. Das Fest war der Anlass für jugendliche Streiche und oft fand es die Kirche respektlos und erließ verschiedene Verbote, die nach und nach das Verschwinden des Bischofs Mitte des 17. Jahrhunderts veranlassten

    Die Wahl des Königs der Bohnen in Navarra hat einen ähnlichen Charakter, obwohl sie auf den 6. Januar zu fallen pflegte, heute aber an einem Samstag im Dezember stattfindet, wobei es in den Bezirken reihum geht.


    Tag der Unschuldigen

    Am Tag der Unschuldigen, dem 28. Dezember, ziehen Els Enfarinats mit ihrem Bürgermeister, der die Regierung des Ortes für den Tag übernimmt, durch die Strassen von Ibi (Alicante). Els Enfarinats sind ausfallend angezogen, bemalen sich das Gesicht und belegen Geschäfte und Banken mit Strafen. Am Nachmittag erscheinen Els Tapals mit unkenntlich machenden Masken. Am Abend vorher werden die Verordnungen von Es Enfarinats verlesen, die eine beissende und direkte Kritik an Personen und Institutionen des Ortes darstellen.
    In manchen Jahren finden in Canipo de Mirra (Alicante) zu Weihnachten auch Les Festes dels Folls, die Feste der Verrückten, statt, wobei die Einwohner verkleidet durch die Strassen der Stadt zieht und ihr Leben humorvoll kritisieren. In seinem Werk El Carnaval bringt José Caro Baroja diese Festlichkeit mit den römischen Saturnalien in Verbindung. die zu dieser Zeit gefeiert wurden.

    Feste zur Verabschiedung des Jahres

    Kiefern und Freudenfeuer sind bei der Verabschiedung des Jahres zugegen, und viele dieser Feste dauern bis ins Neujahr hinein, dem Symbol der Wiedergeburt und des neu beginnenden Lebens. In les Centelles (Barcelona) findet das Fest Fiestas del Pie zu Ehren von Santa Catalina statt, die als Märtyrerin auf Kiefernscheitern verbrannt wurde. Im Morgengrauen des 30. Dezembers feuern els Galejadors oder Trabucaires ihre Donnerbüchsen ab, ein Lärm, der das ganze Fest begleitet. Die Leute begeben sich dann in die Berge, um eine Kiefer zu holen, um die sich dann die Festlichkeiten entwickeln. Zurück im Ort wird der Baum auf dem Platz in die Höhe gezogen und in tanzartige Bewegung versetzt. Danach wird er in die Kirche getragen und auf den Kopf gestellt, damit seine Spitze mit Waffeln und fünf Apfelbaumzweigen geschmückt werden kann. Am Tag der Heiligen Drei Könige werden diese Äste unter der Bevölkerung verteilt.

    Die Fiesta de la Carreta wird in Cogollos de Goadix (Granada) vom 30.Dezember bis zum 1. Januar gefeiert. Der 30. ist der Tag des Holzscheits: die Burschen des Ortes sammeln Brennholz und fällen einen Kiefernbaum. Am 31., dem Tag der Maske (carreta), schmücken die Mädchen den Baum, der dann in den Ort getragen wird, wo er gesegnet und verteilt wird. Am Nachmittag wird das Jesuskind von den Kindern in einer Prozession durch die Strassen getragen, während am Abend ein riesiges Freudenfeuer entfacht wird, um das sich alle versammeln. Am 1.Januar, dem Tag des Jesuskindes, wird sein Ebenbild herumgetragen.

    In Huesa (Jaén) werden die Castillos del Santa, die Burgen des Heiligen, mit Kiefernharz verbrannt, während die Jugend drum herum tanzt und singt und ein Wettbewerb ausgetragen wird, der aus Sprüngen über die Glut besteht. Die sogenannten Cargos de San Silvestre schwenken ihre Fahnen bei Trommelwirbel.

    Der 6. Januar

    Andrés Pardo schreibt über die Entstehung der Weihnacht, der 6.Januar sei der Wintersonnenwende geweiht. Die Sekte der Gnostiker christianisierte dieses heidnische Fest der Sonnenverehrung zwischen 120 und 140.

    Nach dem von Vorfahren überlieferten Brauch ist der 6. Januar der Tag der Heiligen Drei Könige. Das wird hauptsächlich auf zwei Arten zum Ausdruck gebracht: älteren Datums sind die Mysterienspiele um die Heiligen Drei Könige, während die Umzüge relativ neu sind. Heutzutage finden diese Spiele unter anderem in Aledo (Murcia), Saagúesa ,Na Santillana del Mar (Cantabria) und Viso de los Pedroches (Córdoba) statt, in der letztgenannten Ortschaft allerdings nicht jedes Jahr.

    Die Umzüge, so Chronist Adrián Espi aus AIcoy, fanden 1885 zum ersten Mal in Alcoy statt und werden seitdem ohne Unterbrechung organisiert. In Sevilla fanden sie zum ersten Mal 1916 unter der Schirmherrschaft des Ateneo statt und wurden im darauf folgenden Jahr in Higuerra de la Sierra (Huelva) nachgeahmt.

     

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    Spanien-ABC
    Author: Spanien-ABC

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